Yoga und Ayurveda

meditation.jpg

Zwei Wege, die sich gegenseitig ergänzen

In unserer heutigen stressgeplagten Zeit haben sich Yoga und Ayurveda immer mehr verbreitet, inzwischen sind es auch in Europa viele Millionen Menschen, die sich mit diesen Systemen aktiv beschäftigen. Beide Ansätze bieten einen Weg zu mehr Ausgeglichenheit, Harmonie und Freude an.

 

Aber wie unterscheiden sie sich?

Gibt es Widersprüche oder stimmen beide überein? In der altindischen Tradition sind Yoga und Ayurveda eigene Traditionen, die sich in vielen Aspekten gegenseitig befruchtet und bereichert haben. Sie sind wie Geschwister, die zusammengehören, aber doch unterschiedliche Blickwinkel aufweisen. In der neueren Zeit sind beide Systeme eine enge Verbindung eingegangen, in nahezu allen indischen Ayurveda-Kliniken wird Yoga unterrichtet.

Schwerpunkt des Ayurveda

ist die Balance auf der körperlichen Ebene, Schwerpunkt des Yoga ist die Balance auf der geistig emotionalen Ebene. Auch wenn bei den Yoga-Übungen (Asana)s der Körper eingesetzt wird, so dienen diese Übungen – neben ihrem gesundheitlichen Nutzen – letztlich alle dazu, den Frieden im Geist zu fördern.

Jeder Mensch hat bekanntlich eine Grundkonstitution, die ihn sein ganzes Leben begleitet (Pakriti). Die Dominanz von Vata, Pitta oder Kapha sorgt für die dementsprechenden körperlichen Merkmale und bestimmt auch die Risiken für bestimmte Erkrankungen. Weniger bekannt ist, dass der Ayurveda auch geistige Doshas definiert. Hier gibt es aber nur zwei, nämlich Trägheit/Schwere (Tamas) und leidenschaftliche Aktivität (Rajas). Das dritte – und angestrebte Prinzip (Sattva) – ist die Ausgewogenheit selbst.

Die Einteilung in die geistigen Konstitutionstypen stammt aus der Samkhya-Yoga-Philosophie, wie sie zum Beispiel in der Bhagavadgita im 17. Kapitel beschrieben wird. Hier stehen die verschiedenen Typen nicht gleichberechtigt nebeneinander wie die körperlichen Typen im Ayurveda, sondern sind Teil eines dynamischen Entwicklungsmodells. Die geistige Konstitution ist aus Sicht des Yoga nichts Feststehendes, sondern kann verändert und damit auch verbessert werden. Die Yoga-Praxis mit ihren geistigen Techniken der Meditation, ihren Atem- und körperlichen Übungen dient dazu, Tamas und Rajas zu reduzieren und einen Zustand reiner Balance (Shuddha-Sattva) zu erreichen. Es ist uns möglich, geistige Freiheit zu verwirklichen und aus der inneren Stille heraus ausgeglichen zu bleiben, egal was in unserem Leben auch passieren mag.

Im Ayurveda stimmen wir grundsätzlich damit überein,

befassen uns aber nicht so intensiv mit den Methoden zur Reinigung des Geistes. Vielmehr geht es uns primär um das gesunde Funktionieren der Körperregulation, die natürlich auf den Geist positiv wirkt. Der Geist wird übrigens im Ayurveda meistens "Sattva" genannt, denn Ausgewogenheit ist der natürlichste Zustand des Geistes.

Wichtig ist es, die komplementäre Natur von Geist und Körper zu verstehen. Wenn man eine Zuordnung vornimmt, ergeben sich Paare mit ähnlichen Eigenschaften:

  • Vata – Sattva
  • Pitta – Rajas
  • Kapha – Tamas

Was auf der geistigen Ebene positiv ist, zB die geistige Flexibilität und Beweglichkeit von Sattva, zeigt sich auf der körperlichen Ebene als Instabilität von Vata, das bei der Entstehung der Krankheiten immer eine Rolle spielt. Umgekehrt zeigt sich die geistige Langsamkeit von Tamas auf der körperlichen Ebene als ein positiver Wert; denn Kapha beinhaltet eine sehr stabile Konstitution, die nicht so leicht aus der Bahn geworfen werden kann. Vata-Menschen befassen sich viel mit ihrer Gesundheit, sie spüren ihr Ungleichgewicht, wohingegen sich Kapha-Menschen häufig kaum um ihre Gesundheit kümmern. Sie fühlen sich fest im Sattel und sind es häufig auch. Bei guten Anlagen zeigen sich erst im fortgeschrittenen Alter die Folgen ihres Lebenswandels - wenn überhaupt.

Der Geist kann auf der körperlichen Ebene viel durcheinander bringen; daher werden die lebenswichtigen körperlichen Funktionen vor dem Geist geschützt. Die Schrittmacherzellen des Herzens arbeiten autonom, und die Verdauung spüren wir eigentlich nur dann, wenn sie nicht mehr richtig funktioniert. Den Atem können wir uns zwar bewusst machen, aber die meiste Zeit des Tages spüren wir ihn nicht.
Je mehr es zu einem Anstieg von Vata kommt, desto mehr kommen wir aus dem Rhythmus – Unregelmäßigkeit ist ja ein Kennzeichen von Vata. Der Verlust des natürlichen Rhythmus kann zu zahlreichen Funktionsstörungen führen.

Der große gesundheitliche Nutzen des Yoga

ergibt sich daraus, dass das vegetative Nervensystem durch Yoga-Übungen positiv beeinflusst wird. Mittlerweile gibt es zahlreiche Studien, die zeigen, dass Yoga für die Stressbewältigung eine sehr effektive Methode ist. Aus Sicht des Ayurveda kann ich sagen, dass die geistige Ruhe, die sich aus dem Yoga ergeben kann, dazu führt, dass der Körper nicht mehr in seiner natürlichen Funktion gestört wird. Die Ursachen für die Entstehung psychosomatischer Prozesse – die ja vielen Erkrankungen zugrunde liegen – können durch regelmäßiges Yoga beseitigt werden. Insofern unterstützt der Yoga den Ayurveda in seinem Wunsch, die Gesundheit zu erhalten oder wieder herzustellen.

Yoga und Ayurveda sind beide bewährte Systeme, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig ergänzen. Wir können viel für unsere Gesundheit tun, sollten aber das geistige Fundament nicht vergessen. Wer nach innen schaut, kann dann auch im Außen harmonisch leben.

 

ein webprodukt von tunefulCreations